Ausstellung

FUMMQ

Letzten Donnerstag , dem Tag der Eröffnung meiner Ausstellung im Freiburger E-Werk, morgens im Hotel, ich kam gerade aus der Dusche, hörte ich Gitarrenspiel, das nicht von einem Radio oder Ähnlichem stammen konnte. In einem der benachbarten Zimmer, so viel war schnell klar, hatte ein Jazz-Musiker morgens bereits zu üben begonnen. Ich fragte mich, ob es wohl der Gitarrist des Quartetts war, dem ich am vorigen Abend begeistert zugehört hatte.

Den Tag zuvor nämlich, Mittwoch, war ich in der Früh mit dem Zug nach Freiburg gefahren, zum Aufbau meiner Ausstellung „Crossings“. Der Aufbau war bis zum späten Nachmittag erledigt – Dank an Ronald Dörfler. Den Abend hatte ich dann mit Siegfried Dittler, dem Leiter des E-Werks verbracht. Nach einem feinsinnig rustikalen Abendessen im „Baboef“, Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat, war er dann nach Hause gegangen, ich dagegen, noch reichlich aufgedreht, lief wieder zurück ins E-Werk, wo für diesen Abend noch Jazz angekündigt war, das Konzert hatte allerdings schon einige Zeit begonnen, als ich ankam.

Ein Quartett mit Saxofon (Alt- und Sopran), Kontrabass, Gitarre und Schlagzeug spielte mit hinreißender Intensität, besonders auch von der Besetzung meiner Lieblingsinstrumente beim Jazz, Saxofon und Kontrabass, wurde einiges geboten. Nach Schluss des Konzertes kaufte ich die angebotene CD. Auf deren Einband las ich den Namen des Quartetts: FUMMQ, „Ferenc und Magnus Mehl Quartett“ – Magnus Mehl, Alt- und Sopransaxofon, Ferenc Mehl saß am Schlagzeug. Den Fotos nach, war die Besetzung des Abends nicht ganz diejenige, die auch die CD eingespielt hatte, zumindest der Gitarrist war ein anderer. Auf der Homepage von Magnus Mehl ist zu lesen, dass das Quartett, erweitert um den Tenorsaxofonisten Jake Saslow, am 23.03. 2010 in Stuttgart im Bix auftreten wird, den Termin habe ich mir vorgemerkt.

Ferenc und Magnus Mehl

Ferenc und Magnus Mehl

Trotz Nebel, Schnee und Eis war die Eröffnung meiner Ausstellung „Crossings“ am Donnerstagabend dann doch recht gut besucht. Siegfried Dittler begrüßte die Besucher fürs E-Werk und die Kunsthistorikerin Jenny Sturm hat klug und engagiert zu meinen Bildern gesprochen.

„Crossings“, deutsch: „Weichen“, „Straßenkreuzungen“, „Kreuzungen“, „Übergänge“, „Grenzübergänge“; aber auch: „Kreuzzungen“ und „Hybride“ im biologischen Sinn. Das trifft ja auch auf meine Bilder zu, bei denen die  „Verflüssigung“ des Bildraumes und die Übergänge von Bildmodus zu Bildmodus – von zeichenhafter Vereinfachung zur detaillierten Darstellung zum Beispiel – eine, meine zeitgenössische Bilderfahrung umsetzen.

Dabei geht es mir um eine Kunst, die auch persönliche Erfahrung thematisiert und für die das Disparate nicht bloß Ungereimtheit, sondern produktives Moment ist. Gewöhnlich verzichte ich dafür auf Anleihen beim präfabrizierten medialen Bild. Das offensichtlich Erzählerische der Bilder visualisiert keine lineare Geschichte, sondern eher das, was Lyotard die Paralogie der Erfindung nennt  – jene Erzählung, neutraler: jene Narration, die nicht so sehr um „richtig“ und „falsch“ sich müht, sondern um eine spielerische Beweglichkeit der Sinnfügungen im Bildraum.

Die Ausstellung ist noch bis einschließlich 12. Februar im E-Werk zu sehen.

Tillmann Damrau - 'Crossings', E-Werk Freiburg

Tillmann Damrau - 'Crossings', E-Werk Freiburg

Über das Wochenende war ich zum Abschluss meiner Veranstaltung zur Aktmalerei an der Universität in Marburg. Jemandem, der sich mit Aktmalerei beschäftigt, wird schnell klar, dass das Metier nicht während eines Semesters in einer Veranstaltung unter vielen erlernt werden kann.  Manchmal denke ich deshalb, dass die Arbeit in solchen Seminaren hauptsächlich darin besteht, zu zeigen, was gelernt werden könnte und praktische Hilfe bei der Überwindung erster Hürden zu bieten.

Richard Sennett schreibt in seinem Buch „The Craftsman“ (deutsch: „Handwerk“) zum Thema „Lernen“ unter anderem:

As mentioned at the outset of this book, ten thousand hours is a common touchstone for how long it takes to become an expert. In studies of „composers, basketball players, fiction writers, ice skaters, … and master criminals,“ the psychologist Daniel Levitin remarks, „this number comes up again and again.”  This seemingly huge time span represents how long researchers estimate it takes for complex skills to become so deeply ingrained that these have become readily available, tacit knowledge. [ … ] The ten-thousand-hour rule translates into practicing three hours a day for ten years, which is indeed a common training span for young people in sports. The seven years of apprentice work in a medieval goldsmithy represents just under five hours of bench work each day, which accords with what is known of the workshops.

SENNETT, RICHARD; The Craftsman, (Yale University Press) New Haven & London 2008, p. 172

Wie zu Beginn des Buches schon angemerkt, wird oft behauptet, man brauche 10000 Stunden, um ein Experte zu werden. In Studien über „Komponisten, Basketballspieler, Science-Fiction-Autoren, Eiskunstläufer … und Meisterdiebe“, so schreibt der Psychologe Daniel Levitin, „wird diese Zahl immer wieder genannt“. Dieser lange Zeitraum ist nach Ansicht von Forschern erforderlich, damit komplexe Fertigkeiten sich dem Körper so tief einprägen, dass sie zu ständig abrufbarem implizitem Wissen werden. [ … ] 10000 Stunden, das sind drei Stunden Übung am Tag über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg, und das entspricht dem üblichen Trainingspensum junger Sportler. Bei der siebenjährigen Lehrzeit mittelalterlicher Goldschmiede verteilt sich die Summe auf knapp fünf Stunden täglich an der Werkbank, und das entspricht dem, was wir aus mittelalterlichen Werkstätten wissen.

SENNETT, RICHARD; Handwerk, (Berlin Verlag) Berlin 2008, S. 231

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