Gedacht

Paul Uwe Dreyer 1939-2008

Paul Uwe Dreyer ist am 10.11. 2008 verstorben. Gestern haben Freunde, Bekannte, Weggefährten, Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen undKollegen in einer bewegenden Gedenkfeier an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart von Paul Uwe Dreyer Abschied genommen.

In mehreren Reden wurde der Person Paul Uwe Dreyer gedachtund seine vielfältigen Verdienste um die Kunst gewürdigt – als Hochschullehrer und Rektor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, gegenüber der Kulturpolitik, als Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes und vor allem eben auch als Künstler.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der Künstler Paul Uwe Dreyer über der Wertschätzung seines politischen Engagements nicht zu kurz kam. Beat Wyss hat das Werk sehr explizit gewürdigt und die anderen Beiträge zur Feier haben deutlich gemacht, dass das gesellschaftliche Engagement von Paul Uwe Dreyer in seinem Selbstverständnis als Künstler gegründet war.

PAUL UWE DREYER; Verschränkungen 4, 1985, ÖL/LWD. 135 x 135 cm, © Copyright

PAUL UWE DREYER; Verschränkungen 4, 1985, ÖL/LWD. 135 x 135 cm, © Copyright

Beim Blick auf Arbeiten von Paul Uwe Dreyer war ich immer wieder hingerissen von der intelligenten Zusammenführung zweier sehr unterschiedlicher Bildtraditionen, die das erfrischend konzentrierte Werk von Paul Uwe Dreyer insgesamt leistet.

Da ist zum einen die Tradition der konstruktiv-konkreten Abstraktion und deren Bemühungen um die Klärung der Bildsprache, die historisch parallel läuft zu vergleichbaren Bemühungen des logischen Positivismus um die Sprache.Ludwig Wittgenstein hat beider Credo formuliert: „Was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen.“.

Hinzu kommt zum anderen der expressive, expressionistische Zug in der Kunst gerade des deutschsprachigen Kulturraumes. Paul Uwe Dreyer nun verbindet, balanciert die Impulse beider Traditionen in seinem Werk, dessen konstruktiv-konkrete Bildsprache in gleichsam aufgeklärter Rationalität der Emotion in der vermittelten Unmittelbarkeit der konkreten Form Ausdruck und Raum verschafft.

Die Emotion bleibt dadurch dem zivilisatorischen Prozess der Selbstverständigung des Menschen über den Menschen zugänglich, sie verfällt nicht rabiater Irrationalität. Das Menschenbild und die Kunst von Paul Uwe Dreyer zielen mit Vitalität und Verve noch einmal auf den ganzen Menschen, die Fülle, denn, darin wusste er sich mit Goethe einig, nur Lumpen sind bescheiden.

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